Faltbares Smartphone: Warum das neue Surface Duo viel über die Zukunft Microsofts verrät

Es war die große Überraschung des Tech-Herbstes: Microsoft kehrt zurück ins Smartphone-Business. Das allein ist schon bemerkenswert, schließlich waren die firmeneigenen Windows Phones ein milliardenteures Desaster für den Konzern aus Redmond. Doch die eigentliche Sensation ist nicht das Telefon an sich – beim Surface Duo handelt es sich um ein faltbares Modell mit zwei 5,6-Zoll-Bildschirmen, das Ende 2020 auf den Markt kommen soll -, sondern die Software, die darauf läuft. Microsoft setzt nämlich nicht auf Windows, sondern auf Android. Und das verrät einiges über das Unternehmen.

Noch vor ein paar Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass Microsoft auf ein fremdes Betriebssystem setzt – nun kommt es sogar zu einer Partnerschaft mit Google, wie Surface-Chef Panos Panay erklärte. So arbeite man eng mit dem Suchmaschinenkonzern zusammen, um die Software für die neue Hardware anzupassen.

Microsft-Chef Satya Nadella während der Oktober-Keynote

Microsft-Chef Satya Nadella während der Oktober-Keynote

Eine Welt nach dem Betriebssystem

Welchen Kulturwandel Microsoft-Chef Satya Nadella in dem Unternehmen vollzogen hat, wurde in einem “Wired”-Interview nach dem Event deutlich: “Das Betriebssystem ist nicht mehr die wichtigste Ebene für uns”, sagte Nadella. “Für uns sind das App-Modell und die Erfahrung viel wichtiger.” Und der Microsoft-Chef legte nach: Die Vorstellung, das Gerät an sich sei 2019 immer noch der Mittelpunkt der Nutzererfahrung, sei “absoluter Nonsens”. Die Zukunft sei cloud-basiert, entscheidend sei die Qualität von Apps.

Die Botschaft ist klar: Der Konzern rüstet sich immer mehr für die Welt nach Windows.

Das Geld verdient die Cloud

Noch ist Windows eine der wichtigsten Erlössäulen für Microsoft. Im Sommer konnte der Konzern die Zahl der verkauften Windows-Lizenzen an Großkunden abermals steigern, insgesamt erwirtschaftete die Windows-Sparte 11,3 Milliarden US-Dollar in nur drei Monaten. Doch Wachstumsmotor und Hoffnungsträger sind längst andere Sparten, allen voran das Cloud- und das Office-Geschäft.

In den vergangenen Quartalszahlen konnte die Azure-Cloud-Plattform für Unternehmen beim Umsatz um 64 Prozent zulegen. Das 2016 übernommene Online-Karriereportal Linkedin erhöhte den Umsatz um ein Viertel. Microsofts Web-Version des Büroprogramms “Office 365” legte ebenfalls um starke 31 Prozent zu. Die von Nadella vor Jahren eingeleitete Wende trägt nun Früchte.

Viele Details unklar

Statt mit großem Aufwand eigene Systeme zu entwickeln, konzentriert sich der Konzern zunehmend darauf, seine Dienste auf allen Plattformen so gut wie möglich aussehen zu lassen. Vor fünf Jahren brachte Microsoft seine Office-Dienste auf Apples iPad, vor wenigen Wochen hatte Satya Nadella einen Gastauftritt beim Launch-Event von Samsungs Galaxy Note 10. Auch dort sprach er von “einem neuen Kapitel der langjährigen gemeinsamen Zusammenarbeit, mit dem man die Produktivität verbessern und die Lücke zwischen mobilen Geräten und dem PC schließt”.

Wie die Zusammenarbeit mit Google aussehen wird, ist noch weitgehend unbekannt. Bis auf wenige Details gab sich Microsoft schmallippig. Sollte Google sich weiter für die Windows-Welt öffnen, ist zu erwarten, dass der Suchmaschinenkonzern im Gegenzug mehr Zugang erhalten möchte. Vermutlich wird man zur Build-Konferenz 2020, die in der Regel Anfang Mai stattfindet, weitere Details erfahren.

Die Transformation von Microsoft

“Wir wollen, dass die Menschen nicht nur Windows brauchen, sondern sich für Windows entscheiden und Windows lieben” – das war der Anspruch, den Nadella knapp ein Jahr nach seinem Amtsantritt im Jahr 2015 per Rundmail an seine Mitarbeiter formulierte.

Das scheint der Vergangenheit anzugehören. Microsoft versucht nicht mehr zwanghaft, die Nutzer auf seine Plattform zu ziehen, sondern scheint mehr denn je bereit zu sein, dahin zu gehen, wo sie bereits sind. Nadella hat eingesehen, dass es nicht immer Liebe sein muss. Manchmal reicht es völlig aus, gebraucht zu werden.

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