Zweiter Weltkrieg: Panzergefecht am Kölner Dom – Tapferkeitsorden nach 75 Jahren

Das Panzergefecht vom 6. März 1945 in der zerstörten Innenstadt von Köln gehört nicht zu den großen Schlachten des Zweiten Weltkriegs, es ist auch keine taktische Meisterleistung. Es ist ein ganz normales mörderisches Gefecht – das Besondere hier ist, dass der Kampf eines deutschen Panzers gegen die vordringenden Amerikaner aus nächster Nähe live gefilmt wurde. So wurde das Ereignis am Kölner Dom zum bekanntesten Panzerduell des Krieges.

Seltene Aufnahmen

Obwohl beide Seiten Kamerateams in vorderster Linie einsetzten, sind derartige Aufnahmen sehr selten. Häufig wurden einzelne Nahaufnahmen kurz nach einem Kampf aufgenommen und später geschickt mit den Live-Aufnahmen aus größerer Entfernung zusammengeschnitten.

Erst fast 75 Jahre nach den Ereignissen wurde eine alte Ungerechtigkeit wettgemacht. Clarence Smoyer, dem letzten bekannten Überlebenden des Gefechts wurde der Bronze Star für seine Tapferkeit verliehen. Der heute 96-Jährige sollte diese Auszeichnung eigentlich schon 1945 erhalten, doch sein gutes Herz kostete ihn den Orden. Wenige Tage nach dem Kampf teilte der Sohn eines Rabbis seine Süßigkeiten mit Kölner Kindern. Dabei wurde er von der Militärpolizei erwischt. Sie meldeten ihn und wegen der Fraternisation mit dem Feind kam es damals nicht zur Verleihung des Bronze Star.

Im Zweiten Weltkrieg gab es schwere Kämpfe um Köln, am 6. März war die Schlacht bereits entscheiden. Der Tagesbefehl für Smoyer und seine Kameraden lautete: “Gentlemen, i give you cologne. Let’s knock the hell out of it.” Der deutsche Widerstand konnte den Ausgang nicht mehr wenden, er konnte allein den Vormarsch der US-Truppen verzögern. Die verbliebenen Verteidiger hatten keine Chance. Doch diese allgemeine Einschätzung nutzen dem einzelnen GI wenig. “Wir wussten, dass sie die Stadt verteidigen würden”, sagte Smoyer zur “Army Times”. Er erinnert sich an Molotowcocktails, die von den Dächern geschleudert wurden, und an die Bedrohung durch die deutschen Panzerfaust-Raketen. Der Einmarsch in Köln wurde von mehreren Kriegsberichterstattern und Reportern begleitet, darum ist das Gefecht am Dom auch so gut dokumentiert.

Der rechte Sherman ist getroffen. Die Besatzung des zweiten Panzers will den Verwundeten helfen.

Der rechte Sherman ist getroffen. Die Besatzung des zweiten Panzers will den Verwundeten helfen.

Die Soldaten der F-Kompanie des 32. Panzerregiments waren extrem vorsichtig, als sie in Richtung Dom und Hauptbahnhof vordrangen. Die Häuser standen in Trümmern und die Straßen waren von Schuttbergen bedeckt. Überall in den Häusern konnten deutsche Scharfschützen versteckt sein. Zwei Sherman-Panzer begleiteten die Gruppe. Plötzlich schlugen zwei Granaten in den Sherman auf der rechten Seite ein – glatte Durchschüsse. Der Panzer brannte, die Besatzungsmitglieder versuchten, sich zu retten. Drei von fünf starben. Kaum mehr als 300 Meter weiter hatte ein einzelner deutscher Panzer vom Typ Panther das Feuer eröffnet. Der Sherman war der Standardpanzer der Amerikaner. Er war schnell und wendig – aber seine Bewaffnung und Panzerung konnte es mit den größeren deutschen Panzern nicht aufnehmen. Es war aussichtslos, mit dem Sherman zu versuchen, die Frontpanzerung des Panthers zu durchschlagen. Der zweite Sherman zog sich zurück.

Erster schwerer US-Panzer

Doch auf der Parallelstraße ging die E-Kompanie des 32. Panzerregiments vor. Sie wurden von einem Pershing-Panzer begleitet, in dem Smoyer Schütze war. Der Pershing war der erste schwere US-Panzer, der die Modelle des Kalten Krieges vorwegnahm. Seine 90-Millimeter-Kanone und Panzerung stellten ihn auf eine Stufe mit gepanzerten Giganten wie den deutschen Tiger II oder der sowjetischen Stalin II Panzer.

Nach den desaströsen Erfahrungen in der Normandie und den Ardennen hatte die US-Armee fieberhaft am Pershing gearbeitet. Der Panzer in Köln gehörte zu den ersten 20, die das Schlachtfeld erreichten.

Die deutsche Besatzung des Panzers war in einer aussichtslosen Lage, die Brücken über den Rhein waren bereits gesprengt, sie konnten sich nicht mehr zurückziehen. Dennoch ergaben sie sich nicht. Die Amerikaner gingen davon aus, dass die Deutschen bis zum Ende kämpfen würden.

Tödliche Überraschung

Doch offenbar waren die Panzermänner allein und ohne Infanterie. Der Kommandant des Pershing, Robert Early, konnte aussteigen und zu Fuß die Straße für eine gute Angriffsposition erkunden. Early konnte seinen Einsatz so ruhig planen, dass er sogar einem Kamerateam eine Position zuweisen konnte. Als der Pershing selbst in Schussposition kam, blickte er genau in das Rohr des Panthers, erinnerte sich Smoyer. Doch der deutsche Kommandant des Panthers, Wilhelm Bartelborth, soll gezögert haben. Der Pershing war den Deutschen unbekannt und er sah nicht aus, wie die anderen US-Panzer. Die Tochter des deutschen Kommandanten berichtete später in einer Dokumentation, ihr Vater habe den Pershing zuerst für einen deutschen Panzer gehalten. Dieser tödliche Fehler war die Chance für Clarence Smoyer. Der Richtschütze des Pershing feuerte zunächst auf ein Gebäude, damit die Trümmer den Gegner behinderten. Die Deutschen zogen sich dann Richtung Dom zurück. Dabei traf Smoyer den Panther mehrmals, bis er in Flammen aufging. Zwei Deutsche starben im Panzer, drei Männern gelang es, schwer verletzt aus dem brennenden Wrack zu entkommen, einer starb kurz darauf im Lazarett.

Quellen: “Spearhead” Adam MakosPanzerduell am Rhein

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