“Gerechter als gestern”: Ecuador erlaubt gleichgeschlechtliche Ehe

AP_19155589330333.jpg

Javier Benalcazar und Efraín Soría haben erfolgreich für ihr Recht zu heiraten geklagt.

(Foto: AP)

Es ist ein historisch bedeutsamer Tag für die südamerikanische LGBTI-Gemeinschaft: Das katholisch geprägte Ecuador öffnet die Ehe auch für Menschen gleichen Geschlechts. Der Grundstein wird dafür schon vor vier Jahren gelegt.

In einer historischen Entscheidung hat Ecuadors Verfassungsgericht die gleichgeschlechtliche Ehe gebilligt. Mit einer Mehrheit von fünf der neun Richter erklärte das Gericht eine Eheschließung zwischen zwei Menschen des gleichen Geschlechts für rechtmäßig. Das Verfassungsgericht gab damit den Klagen von zwei schwulen Paaren statt. Es begründete seinen Beschluss mit der Gleichberechtigung aller Menschen und dem Diskriminierungsverbot. Bei LGBTI-Aktivisten löste das Urteil Jubel aus.

Die bindende Entscheidung der Verfassungsrichter ist ein historischer Schritt in dem traditionell konservativen und katholischen südamerikanischen Land. In Ecuadors Verfassung wird die Ehe als Bund zwischen Mann und Frau definiert. 2015 wurden aber durch eine Gesetzesreform gleichgeschlechtliche Partnerschaften anerkannt.

Die vier Verfassungsrichter, die am Mittwoch gegen eine Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe stimmten, argumentierten nach Angaben des Gerichts, für einen solchen Schritt sei eine Verfassungsänderung auf parlamentarischem Wege nötig.

Entscheidung ist “verpflichtend”

Der ecuadorianische Verfassungsrechtler Gustavo Medina sagte, die Entscheidung des Verfassungsgerichts sei “verpflichtend”. Der Beschluss müsse deswegen von den Behörden des Landes umgesetzt werden.

Trans*

Trans* ist keine Variante der sexuellen Orientierung. Bei der sexuellen Orientierung geht es um sexuelle Attraktivität und Präferenzen, bei Trans* geht es um die geschlechtliche Identität eines Menschen. Trans*Menschen können, wie alle Menschen hetero, homo-, bi- oder auch asexuell sein.

Im Zentrum der Hauptstadt Quito gingen nach der Gerichtsentscheidung dutzende jubelnde Anhänger der LGBTI-Bewegung – die Abkürzung steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle – auf die Straße. Einer der Kläger, Efraín Soria, war glücklich über das Urteil. Nun sei Gleichberechtigung erzielt, Homosexuelle sollten sich nicht länger verstecken, sagte er.

Der Anwalt Christian Paula, der mehrere homosexuelle Paare vertritt, sagte, Ecuador sei jetzt “gerechter als gestern”. “Es wird anerkannt, dass die Menschenrechte ohne Diskriminierung für alle gelten müssen.” Als erstes südamerikanisches Land hatte Argentinien die Ehe für alle im Jahr 2010 eingeführt. Es folgten Uruguay, Brasilien und Kolumbien.

https://www.n-tv.de/politik/Ecuador-erlaubt-gleichgeschlechtliche-Ehe-article21082322.html

Related posts

Leave a Comment