Musik für das Volk: Promi-Geburtstag vom 19. April 2019: Hans Rudolf Beierlein

Wenn Hans Rudolf Beierlein in der imposanten Villa seines Montana-Musikverlages am Rande des Englischen Gartens in München Besuch empfing, dann erzählte er gerne, dass er aus seinem Fenster auf das frühere Haus von Alois Alzheimer schauen konnte. Dann sinnierte er über den Wert des Geistes und der Erinnerung.

Beierlein hat viele Erinnerungen. Jahrelang galt er als Strippenzieher im deutschen Volksmusik-Geschäft, erst vor fünf Jahren zog er sich aus der 1959 gegründeten Montana zurück. Der Verlag wurde verkauft, die Montana-Villa ist Geschichte, und um den schillernden Manager von einst wurde es ruhig.

Heute wird Beierlein 90 Jahre alt. Es gehe ihm gut, sagt seine langjährige Vertraute Bizzi Nießlein, die seine Nachfolgerin an der Montana-Spitze wurde, der Deutschen Presse-Agentur. «Sein Leben ist natürlich langsamer geworden, aber das darf man sich leisten mit 90 Jahren.» Früher dürfte Langsamkeit ein Fremdwort für Beierlein gewesen sein. «Ich war in meinem ganzen Leben nicht einen einzigen Tag angestellt. Ich wollte niemanden haben, den ich fragen muss, darf ich das. Ich habe gemacht, was ich wollte», sagte er einmal. Und der Erfolg gab ihm recht damit.

Die Liste der Stars, die ihm ihre Karriere zu verdanken haben, ist lang: Er förderte Heino, Jürgen Marcus, Alexandra, Michael Schanze, Marianne und Michael, Stefanie Hertel, Stefan Mross, Florian Silbereisen und Hansi Hinterseer und auch französische Chansonniers wie Charles Aznavour oder Johnny Hallyday. «Volksmusik ist Musik für das Volk», sagte Beierlein gerne. Die damals vor sich hindümpelnde deutsche Volksmusik wurde für ihn zu einer Goldgrube.

Beierlein erfand den «Grand Prix der Volksmusik» und war als Musikproduzent und Rechteinhaber aus der Medienszene jahrzehntelang nicht wegzudenken. Zu den Coups des 1929 in Nürnberg geborenen Managers gehörte die Entdeckung des noch jungen und weitgehend unbekannten Udo Jürgens im Jahr 1963. Innerhalb weniger Jahre wurde der Sänger zu einem der größten Stars der deutschsprachigen Showbranche – wovon Beierlein ebenfalls profitierte.

Ende der 1970er Jahre kam es zum Bruch des Erfolgsgespanns, die beiden stritten um Honorare, schlossen 1986 vor Gericht einen Vergleich und versöhnten sich später wieder. Er «war der erste Manager, der an meine Fähigkeiten als Komponist wirklich geglaubt hat», hatte der 2014 gestorbene Jürgens zum 80. Geburtstag seines Ex-Managers gesagt.

Auch mit dem ihm eigenen großen Selbstbewusstsein und markigen Sprüchen fiel Beierlein in der Branche auf. Er genoss sein Leben und ging nach eigenen Angaben jeden Abend in einem der Münchner Nobellokale essen. Er zahlte dann mit großen Scheinen aus seiner Geldklammer. Über Titel, die ihm die Medien verpassten, sagte er: «Hai gefällt mir. Wenn man mich Branchenregenwurm nennen würde, ginge ich auf die Barrikaden.»

Wütend wurde Beierlein dann, wenn es seiner Volksmusik an den Kragen ging. «Das Ende des ‘Grand Prix der Volksmusik’ bedeutet keine nationale Katastrophe, eher eine Ohrfeige für Millionen Menschen, die diese Musik lieben und diese Sendungen seit 25 Jahren mit großer Hingabe angesehen haben», sagte er, als seine Show 2010 nach 25 Jahren abgesetzt wurde. «Volksmusik ist Musik für das Volk», betonte er einmal mehr. «Und das Volk sind die Gebührenzahler.» Dabei war er sich immer sicher: «Gegen die Volksmusik ist kein Kraut gewachsen.»

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