Ex-TV-Ermittler: Was macht eigentlich … Pierre Sanoussi-Bliss?

September 2014, ein Clip auf Ihrer Facebook-Seite. Sie sitzen zu Hause auf der Couch und erklären: “Ich fühle mich gerade klein und verletzlich.” Hoffentlich geht’s mittlerweile besser …?

Ach, klar, wo denken Sie hin? So ging’s mir doch nur in diesen ersten Stunden nach der Hinrichtung.

Hinrichtung?

Ja, so fühlte sich das an. Völlig überraschend hatte man uns an diesem Tag unser letztes Drehbuch für den “Alten” vorgelegt, abrupt standen ich und mein Kollege Markus Böttcher also vor dem Nichts. Mit Menschen so umzugehen, nach über 18 Jahren, das fand ich einfach schofelig, armselig.

All das wühlt Sie ja immer noch ziemlich auf …

Natürlich! Das Team war wie eine Familie. Und beim “Alten” wird man wegen seines Alters und trotz Beliebtheit bei den Zuschauern rausgeschmissen – schon seltsam, oder?

Täuscht der Eindruck, dass man Sie im Fernsehen dauerhaft ausgemustert hat?

Fakt ist: Seit über vier Jahren hatte ich keinen einzigen Drehtag.

Wie erklären Sie sich das?

Gegen die Art und Weise dieses Rauswurfs habe ich mich damals ja ziemlich öffentlich gewehrt. Kollegen vermuten deshalb, dass ich wohl auf einer “Nicht besetzen”-Liste gelandet bin. Ich selbst sperre mich innerlich noch gegen einen solchen Gedanken. Ich wundere mich vielmehr …

Worüber?

Dass unsere Hautfarbe für mich und einige andere schwarze Kollegen bei Besetzungen im deutschen Fernsehen offenbar noch immer ein massives Handicap ist.

Ist das so? Es gibt jetzt die erste schwarze “Tatort”-Kommissarin.

Da sehen Sie’s: Allein das wird schon als Sensation gefeiert. Wo sind wir denn in modernen Serien in ganz alltäglichen Rollen als Lehrer, Bäcker oder Ärzte und eben nicht als Kern der Problematik? Als schwarzer Schauspieler will ich nicht den Othello geben müssen, ich will auch mal der Romeo sein, ganz selbstverständlich.

Wie ging’s nach Ihrem Serien-Ende beim “Alten” denn weiter?

Verbittert verkrochen habe ich mich jedenfalls nicht.

Sondern?

Ich bin zurück auf die Bühne. “Miss Daisy und ihr Chauffeur” ist das jüngste Stück, alle Aufführungen hier in Berlin sind bisher ausverkauft.

Langeweile plagt Sie also nicht.

Ganz und gar nicht. Finanziert durch Crowdfunding habe ich vor drei Jahren mit einigen TV-Kollegen auch einen Film gedreht: “Weiber!” Der ist auf mehreren Festivals im Ausland gelaufen, hat dort Preise gewonnen und ist jetzt auch auf deutschen Streaming-Plattformen abrufbar.

Der nächste Film ist schon in Arbeit?

Keine Zeit. Auf Wunsch des Aufbau-Verlags schreibe ich gerade an meiner Biografie. Und dann habe ich noch meine Studenten.

Sie sind Dozent?

Ja, seit Dezember unterrichte ich an der Berliner Ernst-Busch-Schauspielschule.

Haben sich die “Dschungelcamp”-Macher eigentlich mal bei Ihnen gemeldet?

Haben sie. Sogar schon, als ich noch beim “Alten” war.

Kein Interesse?

Drei Mal habe ich denen schon einen Korb gegeben. Was soll ich da? Ich kenne niemanden persönlich, den sie dort als einen Star vermarkten. Wie soll man dann in den zwei Wochen auch nur ein wenig Spaß haben?

Kultserie der 90er-Jahre: Teletubbies: So sieht das Sonnen-Baby heute aus

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